Hallo liebe Sternfreunde,
seit gut 20 Jahren ist über dieses Ereignis ab und zu in den Medien zu lesen. Zeitweilig stand sogar die Gefahr eines Zusammenstoßes mit der Erde zur Diskussion. Mittlerweile wurde hierfür aber Entwarnung gegeben. Die Bahn des Apophis konnte in den zurückliegenden beiden Jahrzehnten seit seiner Entdeckung im Jahre 2004 immer genauer bestimmt werden, so dass heute eine Kollision ausgeschlossen werden kann. Nichtsdestotrotz werden sich Erde und Asteroid in den Abendstunden des 13. April 2029 sehr nahe kommen. In den letzten Tagen hatte ich Zeit, mir mit Hilfe der Horizons-Application des Jet Propulsion Laboratory einen Überblick über die Beobachtunsbedingungen während der Passage zu verschaffen. Danach bestehen für Mitteleuropa beste Beobachtungsbedingungen. Der Asteroid erreicht eine scheinbare Helligkeit von 2.9mag und ist dann gut mit bloßem Auge zu verfolgen. Das ist absolut außergewöhnlich!
Zur Geometrie der Begegnung: In den Tagen vor der Passage bewegt sich Apophis sehr wenig gegenüber dem Sternenhintergrund. Ein Zeichen dafür, dass er sich ziemlich genau Richtung Erde bewegt. Seine Elongation liegt bei etwa E150°. Der Asteroid nähert sich von außen kommend der Erde. Erst unmittelbar mit der Passage nimmt dann die Elongation rapide ab, schwenkt auf etwa W15°. Der Betrag der Elongation ist hier ein gutes Maß für die Bestimmung des beleuchteten Teils (auf die Angabe des Phasenwinkels habe ich verzichtet, weil der Winkel Apophis-Sonne-Erde innerhalb der Rundungsgrenzen vernachlässigbar ist und der Phasenwinkel = 180° - Elongation wird. Der Durchmesser des Apophis wird heute meist mit etwa 350 Meter angegeben. Für die Zeit seiner Erdpassage wächst sein scheinbarer Durchmesser auf über 2". Apophis ist ein S-Klasse-Asteroid, also ein Objekt mit steiniger Oberfläche, was zu einer relativ hohen Albedo führt. Die maximale Helligkeit fällt nicht mit der größten Erdannäherung zusammen, da der beleuchtete Teil während der Passage sehr schnell kleiner wird.
In der untenstehenden Grafik sind die Beobachtungsverhältnisse für 13.2° östl. Länge, 52.6° nördl. Breite (für Hennigsdorf b. Berlin) zusammengefasst. Ursprünglich wollte ich ein Balkonbild von meinem Standort einbinden. Leider ist die Begegnung jedoch von dort nicht in ihrem ganzen Verlauf beobachtbar. So habe ich dann eines der Standardbilder aus Stellarium genommen.
Der Aufgang des Asteroiden erfolgt in der bürgerlichen Dämmerung. Spätestens mit Ende der nautischen Dämmerung gegen 21h26 MESZ dürfte Apophis dann als Objekt 3. Größe zwischen den Sternbildern Rabe (Crv) und Becher (Crt) aufzufinden sein. Die größte Helligkeit mit ca. 2.9mag erreicht er um 22h40MESZ. Er steht dann im Sternbild Sextant (Sex). Seine Bewegung erfolgt jetzt sehr schnell Richtung Nordwest. Um 22h52MESZ steht Apophis im aufsteigenden Knoten (geozentrisch) seiner Bahn. Die zeitliche Nähe von Knotendurchgang und maximaler Annäherung ist Voraussetzung für enge Passagen, steht der Asteroid doch dann ganz in der Nähe der Erdbahnebene. Die maximale topozentrische Annäherung ist gegen 23h40MESZ. Der minmale Abstand beträgt dann nur 33930km! Der Asteroid steht jetzt im Sternbild Krebs (Cnc). Die scheinbare Bewegung ist enorm: -41° in RA/h und +22° in De/h. Die scheinbare Helligkeit ist jetzt nur noch 3.6mag und nimmt nun sehr schnell ab. Eine Stunde später ist er bereits in der Nähe von β Tau als Objekt 6. Größe zu finden. Er bewegt sich weiter schnell Richtung Westen entlang der südlichen Grenze des Perseus als Objekt 8./9. Größe.
In der Tabelle unten sind die Beobachtungsdaten noch einmal zusammengefasst:
Zwei interessante Fragen drängen sich nun auf: Wo hat Apophis seinen minimalen Abstand zur Erdoberfläche? Nun, das ist dort der Fall, wo Apophis zum Zeitpunkt seiner größten geozentrischen Annäherung im Zenit steht. Dann kann man vom geozentrischen Abstand den vollen Erdradius abziehen. Etwas Probieren gibt dafür die geografischen Koordinaten 44°W und 29°N. Das liegt mitten im Atlantik. Hier ist der minimale Abstand dann nur 31640km.
Das führt gleich zur zweiten Frage: Besteht Gefahr für den Bahnbereich der geostationären Satellite? Immerhin liegt deren topozentrische Höhe bei 35786km. Das ist über 4000km mehr als der Wert oben. Die geostationären Satelliten stehen jedoch in der Ebene des Erdäquators. Und bei Passage der Äquatorebene liegen die topozentrischen Abstände alle sicher über der geostationären Höhe.
Zum Schluss noch eine Tabelle mit Beobachtungsdaten für die ersten 20 Tage im April 2029.
Man sieht, in den beiden Wochen vor der Passage befindet sich Apophis fast stationär im Grenzbereich Wasserschlange (Hya)-Zentaur (Cen). Wegen der geringen Höhe über dem Horizont dürfte eine Beobachtung schwierig sein. Von meinem Balkon aus sollte das jedoch möglich sein, zumal die scheinbare Helligkeit bereits recht groß ist.
Nach der Passage hält sich der Asteroid dann in Sonnennähe auf. Eine Beobachtung ist dann definitiv nicht mehr möglich, zumal die scheinbare Helligkeit dann auf 22mag gesunken ist.
Ich wünsche euch viele schöne klare Nächte
Micha