Hallo liebe Sternfreunde,
um die Jahreswende 2024/25 hatte ich die Möglichkeit, via remote auf https://www.skygems-observatories.com ein Bild aufzunehmen, das für mich eines der faszinierendsten Blicke in den Weltraum darstellt. Auf der Aufnahme sind die Filamente von zwei Supernovaüberresten (SNR) zu sehen. Norden ist bei der Aufnahme oben. Der östliche Teil der Aufnahme liegt im Sternbild Vela, der übrige Teil gehört zu Puppis. Die Deklination (Bildmitte) ist -43°.
Ort der Aufnahme war Hakos/Namibia. Aufnahmen in R,G,B,Ha,Oiii; keine Luminanz-Aufn.; Gesamtbelichtungszeit 5 1/2 h.
Wie gesagt, auf dem Bild sind die Überreste zweier Supernovae zu sehen. Der gesamte südöstliche Teil wird von den ausgedehnten Filamenten des Vela-SNR dominiert. Die Vela-Supernova detonierte in nur 290pc Entfernung zur Sonne und gehört damit zu den sonnennächsten Supernovae, die bekannt sind. Das Alter dieser Supernova ist nur sehr ungenau bekannt. Es liegt bei 19000+/-11000 Jahren. Der SNR beherbergt den berühmten Vela-Pulsar.
Doch nicht um diesen SNR soll es in diesem Beitrag gehen. Etwas rechts oberhalb der Bildmitte sind im Rot und Blau deutlich schärfere Filamente zu erkennen. Sie bilden den optisch sichtbaren Teil des SNR Puppis-A. Im Radio-Bereich, sowie im Röntgen und Infrarot ist der Überrest wesentlich prominenter (hierzu den wikipedia-Eintrag). Die Entfernung ist nicht genau bekannt, jedoch mindestens viermal weiter entfernt als der Vela-SNR. Auch beim Alter scheiden sich die Geister. Heute wird oft von einem Alter von 4000 Jahren ausgegangen. Entfernung und Alter werden aber heute kontrovers dikutiert.
Erstmals 1950 konnte im Bereich des SNR eine Radioquelle beobachtet werden. Im Jahre 1954 erschien die bahnbrechende Arbeit von Walter Baade und Rudolph Minkowski: "Identification of the radio sources in Cassiopeia, Cygnus-A und Puppis-A". Erstmals konnte hier hellen Quellen am Radio-Himmel optische Entsprechungen zugeordnet werden, Cygnus-A wurde als Radiogalaxie identifiziert. Die Filamente in der Cassiopeia sind Teil des SNR Cas-A, wie man ihn später benannte. Auch bei Puppis-A wurden zahlreiche Filamente entdeckt (im Roten). Die Entdecker führten auch spektroskopische Messungen an den Filamenten durch und erkannten schon deren Bewegung.
Übrigens gelangt vom Mt. Palomar aus, von dem die in der genannten Veröffentlichung enthaltenen Bilder stammen, der Bereich Puppis-A lediglich 13° über den Horizont, ist also schwierig aufzunehmen.
Der Beitrag von Baade/Minkowski ist im Netz frei als pdf verfügbar. Ein Bild mit der Filamentstruktur in Puppis-A habe ich extrahiert und auf die Aufnahme oben registriert (PI). Qualitativ ist die Wiedergabe des historischen Bildes nicht sehr gut. Dennoch lassen sich mit dem Blink-Komparator in PI sehr gut Veränderungen sichtbar machen. Diese Veränderungen sind ungleichmäßig, außerdem fällt ein Vordergrundstern mit hoher Eigenbewegung auf.
Ich habe hier beide Ausschnitte der Aufnahmen gegenübergestellt. Hier fallen die Veränderungen nicht ins Auge. Ich wusste nicht, wie ich das hier anders zeigen kann, würde aber beide Bilder auf Wunsch per mail zusenden. In PI/Blink ist das einfach verblüffend. Wer kein PixInsight hat, kann beide Bilder in ein Verzeichnis stecken und mit Irfan (vor/zurück) betrachten. Hierbei sollte aber die Bilddarstellung klein gehalten werden. Leider habe ich im Netz keine besser aufgelösten Bilder dieser historischen Aufnahmen finden können. Auch Scans von Plattenarchieven wenden sich lediglich an Fachastronomen, sind für uns also nicht zugänglich.
Im Jahre 1968 erschien dann die wichtige Arbeit von A.Poveda und L.Woltjer "Supernovae and Supernova Remnants". Die Identifizierung von Radioquellen als SNR gelang anhand des Spektralindexes im Radiobereich. Der Spektralindex gibt in der Radioastronomie die Abhänigkeit des beobachteten Strahlungsflusses von der Frequenz wieder. Dieser Index erlaubt die sichere Einordnung der Radiostrahlung als thermische Strahlung oder als Synchrotronstrahlung. Synchrotronstrahlung entsteht, wenn geladene Teilchen mit hoher Geschwindigkeit in Magnetfeldern abgelenkt werden. Diese Strahlung ist typisch für SNR. Mit dem Nachweis konnte Puppis-A als SNR identifiziert werden.
Mit Anfang der siebziger Jahre fiel dann der Startschuss für die Erforschung des Weltalls im Röntgenbereich, zuerst mit Höhenforschungsraketen, danach mit diversen Röntgenteleskopen aus der Erdumlaufbahn. Darüber möchte ich später schreiben, das ist eine ganz spannende Sache, die auch mehrere Bereiche der Astrophysik berührt. Die intensive Erforschung von Puppis-A dauert bis heute an.
Ich wünsche euch viele schöne und klare Nächte
Micha