Hallo liebe Sternfreunde,
nun habe ich schon eine ganze Weile nicht von mir hören lassen. Mir ging es gesundheitlich nicht gut. Die schönen Beobachtungsbedingungen im März konnte ich leider nicht nutzen. Auch die Arbeit mit dem neuen Sonnenteleskop liegt erst einmal auf Eis. Allerdings konnte ich hier einige Vorbereitungen anschieben, und hoffe, dass es so in einigen Wochen dann mit Beobachtungen klappen wird. Sehr fleißig war ich hingegen bei der Bildbearbeitung. Hier lagen noch einige Rohdaten auf Halde, die ich per Remote von Hakos/Namibia aus aufgenommen hatte. Der NGC6188-Komplex ist eines davon.
Die Aufnahmen sind aus der Nacht vom 17. zum 18. Juli 2025. Aufnahmeset war eine Moravian C3-61000 am Takahashi FSQ106ED mit Baader-Filtern. An Rohdaten sind vorhanden: R,G,B: je 12 x 60"; L: 24 x 60"; Ha,Oiii: je 15 x 5'. Gesamtbelichtungszeit 3 1/2 h. Das Bild ist in 2xDrizzle bearbeitet und hat eine Originalauflösung von 18300 x 12960 pixel. Das Bild, welches ich als Anhang hochlade, hat immerhin 5000 x 3268 pixel. Leider klappt das normale Hochladen nur bis zu einer Dateigröße von 2MB (Das Limit ist aber mit 10MB angegeben, irgendwas stimmt hier nicht).
Ich habe eine tiefe Dankbarkeit empfunden, so etwas bearbeiten zu dürfen. Ich glaube, der Karsten hat das vor einiger Zeit mal ganz ähnlich gesagt. Das Ergebnis, auf einem großen Monitor betrachtet, hat mir dann doch die Sprache verschlagen.
Hier aber das Gesamtbild.
Der Bildausschnitt ist ca. 3.8° x 2.5°. Norden ist rechts. Der rechte Bildrand ist unweit der Südgrenze des Sternbild Skorpion. Der überwiegende Teil des Bildes liegt im Sternbild Altar (Ara). Nur der untere Teil ist bereits im Sternbild Winkelmaß (Norma). Die eigenartige Dunkelwolkenstruktur hat dem Nebel die Bezeichnung "Kämpfende Drachen von Ara" eingebracht, wobei der Nebel unten in der Mitte als "Drachenei" gilt. Zu dem Drachenei komme ich noch. Der Gesamtkomplex hat eine Entfernung von ca. 4000 Lj. zur Sonne. Der Nebel wird durch den jungen (14Mio. Jahre) offenen Sternhaufen NGC6193 zum Leuchten angeregt, ein intensiver Reflexionsnebel, aber auch in Ha.
Hier ist noch ein Ausschnitt aus dem Nebelzentrum unterhalb des offenenHaufens NGC6193 in Originalaulösung:
Mit etwas Phantasie lässt sich die Dunkelwolke oberhalb der Bildmitte als Pferd von hinten (links) bzw. als Nilpferd von hinten (rechts) ansehen. Was meint ihr?
Bei dem zweiten Ausschnitt wurde es dann total spannend. Es ist der bipolare Nebel NGC6164/NGC6165, das "Drachenei".
Hier der Ausschnitt in Originalauflösung:
Früher hat man die inneren Nebelteile als getrennte planetarische Nebel angesehen. Daher auch die zwei NGC-Nummern. Erst in jüngster Zeit (ESA 2024) hat sich herausgestellt, dass diese inneren bipolaren Nebelteile das Ergebnis einer Sternverschmelzung sind, die vor etwa 7500 Jahren stattgefunden hat. Der Zentralstern HD148937, heute ein Doppelstern, war ursprünglich ein Dreifachsystem. Er besteht heute aus zwei heißen O-Sternen, die mit ihrem intensiven UV den Nebel zum Leuchten bringen.
Die Entfernung des Zentralsterns (CdC mit Gaia3) ist 3875 Lj. Den Durchmesser des gesamten inneren Nebelteils habe ich durch Ausmessen am Bild zu 6,4' bestimmt. Der Radius einer Strahlungskeule dann 3,2', das macht in der angegeben Entfernung grob 150 km/s. Es muss ein tüchtiges Spektakel gewesen sein, als die beiden Sterne verschmolzen.
Die bläuliche äußere Hülle besteht aus angeregtem Sauerstoff, sicher ein Wolf-Rayet-Gespinst, zu einem früheren Zeitpunkt ausgestoßen.
Ich wünsche euch viele schöne klare Nächte
Micha