1997 NC1 in der Nacht vom 26. / 27. Juni 2026

  • Hallo liebe Sternfreunde,

    in der Nacht vom 26. zum 27. Juni 2026 hatte ich die Möglichkeit, den Asteroiden (152637) 1997 NC1 zu fotografieren. 1997 NC1 ist ein Asteroid der Aten-Gruppe, das sind Erdbahnkreuzer mit einer großen Halbachse < 1aE. Für 1997 NC1 ist die Perihelentfernung 0.685 aE, die Aphelentfernung 1.045 aE. Insbesondere in der Nähe des Aphels kann er der Erde sehr nahe kommen. Ende Juni 2026 passierte der Asteroid die Erde in einer Entfernung von 2.57 *106 km (topozentrisch Berlin). Das entspricht etwa der 6 2/3 fachen Mondentfernung. Die größte Annäherung war am 27. Juni gegen 12h UT. In der Nacht zuvor war die Entfernung nur unwesentlich größer (2.591*106 km - 1h MESZ)). Der Asteroid befand sich bei der Erdpassage außerhalb der Erdbahn. Dadurch war der größte Teil seiner beleuchteten Fläche (etwa 94%) von der Erde aus sichtbar. Das kam seiner scheinbaren Helligkeit zugute. Diese erreichte am 28. Juni gegen 0h UT beachtliche 10.095mag. Während der Aufnahme stieg die Helligkeit von 10.42mag auf 10.35mag (auch das ist topozentrisch/Berlin!). Über die Beschaffenheit des Asteroiden ist kaum etwas bekannt. Sein Durchmesser wird mit 0.75....1.65 km angegeben. Das ist schon eine ganz beachtliche Größe. Die Oberflächenbeschaffenheit, und damit sein Albedo, ist unbekannt. Plausible Albedowerte führen hier auf die angegebenen Durchmesser.

    Die Aufnahme:

    1997 NC1 befand sich in der Beobachtungsnacht im Sternbild Schlangenträger (Ophiuchus). Er bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 43'/h stark südwärts. Innerhalb der knapp vier Stunden langen Belichtung war die Bewegung ca. 2.78°.

    Die Aufnahmen sind von meinem Balkon in Hennigsdorf aus gewonnen. Aufnahmeset war die ASI294mmPro am ASKAR 135FMA. Es sind insgesamt 230 Einzelframes mit je 1' Belichtung. Die Aufnahmen waren sowohl von der Abenddämmerung als auch von der Morgendämmerung limittiert. Als Filter habe ich den astronomik ProPlanet IR642BP genommen. Ich habe kein Guiding verwendet. Interessant: Während der ersten Stunde der Aufnahme konnte ich den Aufnahmesensor nur bis zu einer Temperatur von -6°C bis -8°C kühlen. Die Außentemperatur war derart hoch, dass ich meine standardmäßigen -10°C nicht erreicht habe. Ansonsten waren die Bedingungen aber ziemlich gut, sieht man mal von der Nähe des Mondes ab.

    Die Bearbeitung erfolgte mit Pixinsight und Photoshop. Die Kalibrierung der 230 Frames lief ohne Probleme. Erst bei der Bildintegration muss man von den bei DeepSky üblichen Vorgaben abweichen. Die Pixelwerte auf dem Sensor sind für den Asteroiden von Frame zu Frame unterschiedlich. Das führt bei einer "normalen" Integration dazu, dass der Asteroid komplett herausgerechnet wird und im Ergebnis nicht mehr erscheint. Weil er jeweils nur auf genau einem Frame mit definierten Pixelkoordinaten abgebildet ist, wird das aber unweigerlich als Bildstörung interpretiert. Das ist auch gut so, denn auf diese Weise werden z.B. Satellitenspuren in den Frames recht zuverlässig entfernt.

    Um die Asteroidenspur sichtbar zu machen, muss man die Integration im Modus "Maximum" durchführen und sicherstellen, dass keine hellen Pixel aussortiert werden. Damit handelt man sich aber ein, dass quasi Alles - echte Bildstörungen, Satellitenspuren - auf dem integrierten Bild erscheinen. Meine Idee war es, zwei Varianten des integrierten Bildes zu erzeugen. Einmal mit normalen Einstellungen (der Asteroid ist hier nicht drauf), und andererseits im Maximum-Modus. Die beiden nachbearbeiteten Bilder (v.a. BXT und HistogramTransformation) in Photoshop als Ebenen übereinanderlegen und die Ebene mit der Asteroidenspur so weit löschen, dass nur noch die Spur übrig bleibt. Letztendlich hat das wunderbar geklappt. Als ich aber das integrierte Bild mit sämtlichen Inhalten zum ersten Mal gesehen habe, ist mir doch die Kinnlade etwas abgesackt. So viele Satellitenspuren habe ich dann doch nicht erwartet. Hier ist das Bild dazu - und Willkommen in der Realität.

    Satellitenspuren während der vierstündigen Aufnahme von 1997 NC1

    Wider Erwarten verlief die Auswahl der Asteroidenspur in Photoshop dann aber doch recht einfach, weil die Spur absolut gerade verläuft.

    Ich habe mich aber schon mal umgeschaut, was es an automatisierten Tools zum Entfernen von Satellitenspuren gibt. Bin auf das Cosmic Clarity-SatelliteRemoval-Tool der in der SetiAstroSuite gestoßen, welches ich aber nicht zum Laufen bekommen habe. Das liegt mit größter Wahrscheinlichkeit an mir, eventuell auch etwas an meinem alten Laptop. Ist im Augenblick auch nicht so wichtig. Aber natürlich besteht der Wunsch, eine kleine Videosequenz aus den Einzelframes zu erzeugen. Dann wird das aktuell.


    Ich wünsche euch viele schöne klare Nächte

    Micha


    * Ich sehe gerade: Die angegebene Anzahl der Frames im Bild ist falsch! Es sind 230 Frames!

    Ich bin Michael
    Mein Beobachtungsplatz ist der Balkon meiner Wohnung in der Hennigsdorfer Innenstadt.
    Der Balkon ist in der vierten (obersten) Etage eines Wohnhauses. Er liegt in fast perfekter Südlage mit sehr guter Horizontsicht.
    Meine besondere Leidenschaft gilt der Fotografie weit südlich stehender Objekte.

    Edited 2 times, last by Micha314 (June 28, 2026 at 1:06 PM).

  • Hallo Micha,

    vielen Dank für den interessanten Beobachtungsbericht und die Informationen zu 1997 NC1.

    Allerdings hat mich das Foto mit den Massen an Satellitenspuren ebenfalls sehr erschreckt. Ja, wir schaffen es, alles zu verseuchen und zu zerstören.
    Daß es mich als Sonne-Mond-Planeten-Fuzzi noch nicht beeinträchtigt ändert nichts daran daß mich das wirklich erschüttert.

    Alles Gute und klaren Himmel wünscht

    Martin

    Grenzenloses Staunen . . . .

  • Hallo Martin,

    ja, die vielen Satellitenspuren haben mich auch sehr erschreckt. Das ist leider die Zukunft. Schon erstaunlich, dass diese Störungen so gut herausgerechnet werden können. Eines ging mir aber dazu noch im Kopf rum. Dass praktisch die gesamte Nacht satellitenverseucht war, liegt auch mit daran, dass wir gerade die Sommersonnenwende hatten und der Erdschatten die über den Himmel ziehenden Satelliten nicht mehr erreicht. Immerhin taucht bei mir die Sonne keine 15° unter den Horizont. In anderen Jahreszeiten ist das anders. Im Winter hatte ich mal die Beobachtung gemacht, dass ab, sagen wir mal 22Uhr, die Störungen einfach aufhörten. Die Satelliten sind dann schon noch da, kriegen aber keine Sonne mehr ab. Hängt aber sicherlich auch von der Höhe des Orbits der Satelliten ab.

    Umso mehr hat mich aber das Ergebnis erfreut. Auch mit deshalb, weil es mit relativ einfacher Bearbeitung hinzubekommen war.

    Ich wünsche dir viel Sonne, nicht so fürchterlich heiß, gutes Seeing, also was zur Ruhe zu kommen.

    Micha

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    Edited once, last by Micha314 (July 9, 2026 at 6:38 PM).

  • Hallo Micha,

    toll das du den Asteroiden (152637) 1997 NC1 fotografieren konntest. Dies hat ja schon sehr viel arbeit gemacht.
    Ich finde es immer wieder schön das du so ausführliche Berichte dazu schreibst. Da macht das lesen Spass.

    Erschreckend finde ich auch, das man soviele Satellitenspuren sieht. Ich hatte vor paar Monaten mal nur so zum Spass,
    das Seestar draußen und hab irgendwas abgelichtet. Da war auch auf jeden 2. Bild eine Strichspur von einem Satelitten drauf.
    Schrecklich. Gut das man diese mit Programmen entfernen kann.

    Vielen Dank für den Bericht und die Bilder.

    VG Thomas

  • Hallo Thomas,

    jetzt ist mir deine Antwort fast abhanden gekommen. Ja, die Satelliten können schon sehr stören. Ich war in den vergangenen Nächten jetzt immer auf meinem Balkon. Aufnahmen in der Milchstraße stehen mal wieder an. Zur Zeit lege ich den Beginn der Aufnahmen gegen 23h15MESZ, das ist kurz vor Ende der nautischen Dämmerung, und zwar beginne ich mit Aufnahmen möglichst großer Wellenlänge, also Rot. Die Milchstraße ist jetzt noch vor dem Meridian. Grün und Blau mache ich nach dem Meridiandurchgang. Diese Wellenlängen sind sehr empfindlich gegen terrestrische Himmelsaufhellung. Nach dem Meridiandurchgang schaue ich westlich an Berlin vorbei, und der Himmel wird dunkler, je weiter weg Richtung Westen. Ist aber immer auch ein Abwägen wegen der abnehmenden Höhe. Im Meridian dann Schmalband, Luminanz o.ä. Hat auch zur Folge, dass ich immer auch mehrere Bilder parallel aufnehme.

    Interessanterweise legt sich die "Satellitenbelastung" kurz nach 23h MESZ fast schlagartig. Dann dürften sich die Satelliten im Erdschatten sein, und man sieht sie nicht mehr. Dass die ziemlich plötzlich unsichtbar werden, spricht für eine gemeinsame Höhe des Orbits der Satelliten. Später in der Nacht sind Satellitenspuren sehr selten.

    Viele Grüße

    Micha

    Ich bin Michael
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