Hallo liebe Sternfreunde,
in den vergangenen Wochen hatten wir nachts ja ganz passables Wetter für die Astrofotografie. Zwischen dem 19. Juni und dem 13. Juli konnte ich zwei Bilder aufnehmen. Beide mit dem ASKAR FMA135. Dieses kleine Röhrchen mit gerade mal 30mm Öffnung (1:4.5) macht ganz erstaunliche Aufnahmen. Mit einem Gesichtsfeld von 8.2° x 5.4° an der ASI294 werden dann schon größere Himmelsausschnitte wiedergegeben. Hier das erste Bild':
Die Einzelaufnahmen entstanden in der Zeit vom 19.06.26 bis zum 25.06.26. Standort war mein Hennigsdorfer Balkon, wie immer mit Blick nach Süden auf die Berliner Lichterglocke. Die Gesamtbelichtungszeit war 506'. Jedoch habe ich beim Qualitätscheck ca. 56% der Aufnahmen aussortiert. Übrig blieben 222' Belichtung.
Die Einschränkungen waren 1) Dämmerung, 2) Schleierwolken und 3) zunehmende Störung durch den Mond.
Die verwendeten Frames sind: B: 31 x 2'; G: 32 x 2'; ProPlanet642BP: 32 x 3'. Es sind keine Schmalbandaufnahmen eingeflossen (Ha-Frames mit 30" Belichtung sind da). Die Aufnahmen im Roten habe ich durch diejenigen mit dem ProPlanet 642BP ersetzt. Der 642BP ist ein Bandpassfilter, der zwischen 642nm und 842nm öffnet. Er liefert wirklich gute Kontraste in den Dunkelwolken.
Das Ganze ist in PI bearbeitet. Natürlich SPCC, MGC, BXT, NXT, SXT - Sterne und Hintergrund getrennt bearbeitet.
Wenn man bereit ist, mehr als die Hälfte der aufgenommenen Frames wegzuschmeißen, bekommt man ganz ansprechende Ergebnisse. Ganz prominent im Bild ist natürlich der Lagunennebel Messier 8, der ebenso bekannte, wenn auch viel kleinere Messier 20 (Trifidnebel) darüber. Direkt im Bildzentrum steht der offene Haufen Messier 21.
Besondere Beachtung verdienen die beiden Kugelsternhaufen NGC6544 und NGC6553, beide links unterhalb von M8. NGC6544 (der M8 näherstehende) ist der drittnächste Kugelhaufen überhaupt (nach M4 und NGC6397).
Die Dunklewolkenstruktur ist gut wiedergegeben. Viele dieser Strukturen sind als einzelne Dunkelnebel katalogisiert (LDN - Lynds Katalog der Dunkelnebel). Doch finden sich im Netz kaum Bilder dieser Objekte. Z.B. die beiden Objekte LDN254 und LDN260. Beide Objekte zu finden, wenn man vom Trifidnebel nach links bis fast zum Bildrand geht.
Interessant ist auch, die Häufung blauer Sterne in den Bereichen, die nur wenig oder überhaupt nicht durch den interstellaren Staub getrübt sind.
In der linken oberen Bildecke z.B. die westlichen Ausläufer der Kleinen Sagittariuswolke,eines der wenigen "Staubfenster" in der Sommermilchstraße. Im Bereich der rötlichen Staubwolken hingegen sind blaue Sterne i.d.R. Vordergrundobjekte. Die Staubwolken absorbieren mehr kurzwelliges Licht, das führt zu einer Rötung des Sternenlichtes.
Zum guten Schluss: In der rechten oberen Bildecke ist der offene Haufen Messier23 zu finden. Ein schöner Sternhaufen als Vordergrundobjekt.
So, mit dem Bild bin ich sehr zufrieden. Ist doch in dem Himmelsbereich von meinem Balkon aus absolut nichts mit bloßem Auge zu sehen. Das ist dann sowieso immer faszinierend, was bei der Aufnahme so alles sichtbar wird.
Ich wünsche euch viele schöne klare Nächte
Micha