Hallo liebe Sternfreunde,
das zweite Bild, das ich in diesem Sommer von meinem Balkon aus aufnehmen konnte, zeigt den Omeganebel (Messier 17) und den Adlernebel (Messier 16).
Die Aufnahme entstand in den vier Nächten vom 11. Juli bis zum 14. Juli 2026. Aufnahmeset war wieder das ASKAR FMA135-ED-APO an der ASI294mmPro. Die Belichtung der einzelnen Kanäle war:
R: 48 x 1'; G: 57 x 1'; B: 69 x 1'; CLS-CCD: 25 x 1'; ProPlanet642BP: 49 x 3'; Ha: 20 x 1'; Ha: 15 x 3'; Kamera-Gain: 120, bei Ha: 390
Die Gesamtaufnahmezeit betrug 411' (6h51'). Davon sind 335' (5h35') in dem Bild verarbeitet. Das sind immerhin 81,5%. Die äußeren Bedingungen waren im Vergleich zum ersten Bild deutlich entspannter. Zwar war die Zeit der Mitternachtsdämmerung noch nicht vorbei (tiefster Sonnenstand ca. -16 Grad), doch war der Mond hier nicht störend und Wolkenschleier wesentlich seltener. Bearbeitet ist das Bild in Pixinsight und Photoshop (final). Es ist mit 2fach-Drizzle bearbeitet. Die Bildabmessungen sind 10421px x 15691px. Erst bei diesen Auflösungen bekommt man die Sterne ohne Undersampling hin. Norden ist im Bild oben.
Links der Mitte ist M17, der Omega-Nebel zu sehen. Wegen der hohen Flächenhelligkeit des Nebelzentrums waren Ha-Aufnahmen mit unterschiedlicher Belichtungszeit nötig. Weiter oben ist der bekannte Adlernebel (M16 - LBN70) mit dem zentralen offenen Sternhaufen IC4703 zu sehen. Direkt am oberen Bildrand schließlich der viel weniger bekannte Nebelkomplex LBN71/72 mit dem zentralen offenen Haufen NGC6604.
Im Bild kann man eine Vielzahl schwächerer Nebelkomplexe erkennen: Genau zwischen M16 und M17 liegt der große schwache Komplex GN18.18.0. Rechts vom Omega-Nebel ist der große auffällige Komplex IC4701 zu finden. Der sehr unauffällige offene Haufen NGC6596 ist nicht Bestandteil dieses Komplexes, sondern ein Vordergrundhaufen. Von den kleineren Nebeln im Bild sieht man rechts vom Adlernebel auf halben Weg zum rechten Bildrand den ganz unscheinbaren Nebel LBN61. Etwas auffälliger sind die kleinen Nebel LBN64 und LBN66 links unterhalb des Adlernebels.
Von den offenen Sternhaufen ist der vielleicht Schönste das Objekt NGC6603, das in die Kleine Sagittariuswolke eingebettet ist. Die Entfernung beträgt 11700Lj. Direkt auf der Verbindungslinie zwischen M17 und der Kleinen Sagittariuswolke finden wir den Haufen Messier18, und schließlich oberhalb des Adlernebels und etwas nach rechts eine sehr auffällige Ansammlung schwacher Sterne. Es ist der offene Haufen Trumpler32.
Der gesamte untere Bildteil wird von der Kleinen Sagittariuswolke beherscht. Wir blicken hier durch ein Fenster mit keiner (oder jedenfalls geringer) Absorption durch interstellaren Staub auf den Sagittariusarm der Milchstraße. Die Entfernung der Sternwolke wird mit 10000 Lj. bis 12000 Lj. angegeben. Untersucht man die Entfernungen der hier aufgeführten Objekte, dann liegen diese im Bereich 5000 Lj. ... 12500 Lj. , wobei M17 das der Sonne nächste Objekt ist (5000Lj. - 6000 Lj.), und IC4701 und LBN64 die am weitensten entfernten sind (11000 Lj. bzw. 12500 Lj.). Aber alle diese Objekte sind im Sagittariusarm der Milchstraße verortet. Man gewinnt hierdurch auch einen groben Eindruck der räumlichen Struktur dieses Spiralarm in der Blickrichtung.
Für die Kleine Sagittariuswolke füge ich hier einen Auszug in Originalauflösung ein. Hier bin ich mit dem Sampling ganz zufrieden.
Der offene Haufen NGC6603 kommt schön zur Geltung. Sehr prominent sind die beiden Dunkelwolken Barnard 92 und 93. Die linke Wolke (B93) brachte meine Schwägerin zu dem unvergesslichen Ausruf: "Guck mal, da läuft doch ein Männlein auf und davon!".
Ich finde, die Nächte auf dem Balkon haben sich sehr gelohnt. Bei diesen Bildern, bei diesem Blick in die Tiefe unserer Milchstraße kann ich einfach nur immer wieder staunen. Ich wünsche, dass es euch auch so ergeht.
Viele Grüße
Micha