Schmetterling und Schaukelpferd im August/September 2020

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    • Schmetterling und Schaukelpferd im August/September 2020

      Liebe Balkonauten,

      kurz vor dem Sommerloch hatte ich nach der Astromodifikation meiner NEX-5R noch eine weitere Baustelle abgeschlossen: Den Einbau einer Hauptspiegelblende ins Teleskop. Nun war die Versuchung groß, im August die Region um Sadr im Schwan abzulichten, denn mit diesem Motiv zeigt sich, ob rote Nebel gut abgebildet werden und wie es mit den Beugungserscheinungen an hellen Sternen bestellt ist.

      Aber seht selbst:



      Hier hatte ich mir etwas Zeit genommen und Aufnahmen an 5 Abenden im August/September gesammelt. Herausgekommen sind

      131x185s plus Flats und Bias, also insgesamt 6:46h Belichtungszeit (Skywatcher N130/650 mit Sony NEX-5Ra bei ISO 800). Bearbeitet habe ich das Bild mit DSS, Fitswork, Regim, Gimp. Auf Darks habe ich verzichtet, da die Aufnahmen von mehreren Abenden sowieso nicht pixelgenau übereinander liegen und Hotpixel sich auf diese Weise beim Stacken eliminieren.

      Die Hauptspiegelblende scheint jedenfalls ganze Arbeit zu leisten, zumindest sind die zusätzlichen Spikes meiner früheren Aufnahmen weg.
      Anregungen und Kritik sind willkommen!

      Viele Grüße
      Gunther

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    • Hallo Gunther,

      ein ganz tolles Bild mit der Nex5Ra - sehr ausgewogene Bildbearbeitung. Ich hab ja auch mit einer Nex5 im Sony-Bereich angefangen und bin ganz von Canon weg.

      Der Einbau der Hauptspiegelblende wirkt wirklich Wunder - Aufgabe also voll erfüllt.

      Ich hab das an meinem 150er TAL-Newton gemacht. Auch da gab es eine extreme Verbesserung.
      Einzig der OAZ ragt noch etwas in den Tubus und somit gibt es leichte Spikes unerwünschter Art.
      Da muss ich mir was einfallen lassen.
      Ein Blick in die Tiefen des Weltalls ist immer ein Blick in die Vergangenheit.
      Grüße und cs
      Frank
      astrofanweb.de
    • Hallo Frank,

      danke für die positive Einschätzung.
      Ich hatte auch noch Sorgen wegen des OAZ, aber der scheint mittlerweile nicht mehr zu stören. Die Hauptspiegelhalterungen waren wirklich das größere Problem.
      Ich hatte mir mal einen kurzbauenden Adapterring M54/M48 als Ersatz für die 2"-Klemmeinrichtung zugelegt. Den konnte ich auf das OAZ-Rohr schrauben und auf der anderen Seite den mpcc direkt einschrauben, so dass ich ohne Klemmung ausgekommen wäre und ca. 1cm mit dem OAZ weiter rauskam. Leider war der Adapter ein Reinfall, denn das M54-Gewinde in Richtung OAZ war zu schlecht/zu kurz, so dass es nach kurzer Zeit nicht mehr hielt und ich wieder die 2"-Klemmung einschraubte. Schade ums Geld.

      Viele Grüße
      Gunther
    • Hallo Karsten,

      danke für die Blumen, und ich bin gespannt auf Deine Bilder mit dem Newton! (gabs da schon mal welche?)

      Für die Bearbeitung habe ich einige Zeit gesessen. Vor allem das Entfernen des Gradienten war eine Geduldsprobe bei diesem Motiv. Man wusste an manchen Stellen nicht genau, ist es Gradient, oder doch ein Ausläufer des roten Nebels. Ich hatte auch versucht, anstatt der Hintergrundextraktion von Regim den einfachen Verlaufskompensator von Fitswork zu verwenden, doch damit bekam ich immer einen krassen Farbverlauf.

      Von der Wirkung der Blende war ich auch begeistert und ich fragte mich mal wieder, warum diese Blende nicht zur Standardkonfiguration des Teleskops gehört, das als Photo-Gerät beworben wird. In Serienproduktion lassen sich die Blenden sicher enorm billig herstellen, zumindest viel billiger als die Teile aus dem 3D-Drucker, wie ich eins habe.

      Wenn ich genau auf manche Sterne schaue habe ich den Eindruck, dass sie doch nicht ganz rund sind, sondern leicht dreieckig, wie ein Gitarren-Plektrum. Vielleicht habe ich beim Einbau der Blende den Hauptspiegel zu fest eingepackt. Ich werde das mal beobachten.

      Viele Grüße
      Gunther

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    • Hallo Gunther,

      der Newton liegt zerlegt rum und ich habe derzeit nicht die Zeit die geplanten Optimierungen zu machen. Mit dem Newton habe ich damals angefangen und ohne Guiding Bilder gemacht.

      Allein wegen der Gradientenentfernung würde ich Geld in die Hand nehmen und PixInsight oder Astropixelprozessor kaufen
      Klaren Himmel wünschen

      Antina und Karsten

      astrokarsten.wix.com/farbe-des-universums/
    • Hallo Karsten,

      mein Newton hat auch schon Velours-Folie und eben den Blendenring. War beides sehr sinnvoll, denke ich.
      Gerade eben installiere ich mir die PixInsight-Trial-Version. Die Gelegenheit ist günstig, da ich in der kommenden Woche wegen einer Zahn-OP etwas Langeweile habe. Mal sehen, ob ich damit zurechtkomme. Das Bedienkonzept scheint mir noch die größere Hürde zu sein als der Preis.

      Viele Grüße
      Gunther
    • Liebe Balkonauten,

      ich hoffe, ihr könnt euch bei dem trüben Wetter etwas die Zeit vertreiben.
      Im September hatte ich noch die Gelegenheit, ein paar weitere Aufnahmen zu machen (noch ohne Guiding). Nunmehr sind etwas mehr als 10h Belichtungszeit zusammengekommen (208x185s + Flats + Bias, ISO800). Bislang ist das mein Bild mit der längsten Belichtungszeit.
      Bearbeitet habe ich es mit Siril und Gimp. Es ist nun deutlich mehr zu sehen bei akzeptablem Rauschen (finde ich) und ich frage mich, ob es an den zusätzlichen Aufnahmen oder an der Verwendung von Siril anstatt DSS+Regim liegt. Die Bearbeitungsschritte waren ansonsten in etwa gleich (glaube ich).



      Ein "Geisterspike" ist hier auch drauf.

      Viele Grüße
      Gunther

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    • Moin Gunther!
      Ja, der Unterschied ist schon gravierend. Da hast du schon sehr viel Nebel und wenig rauschen. Vor allem die Sternfarben gefallen mir sehr gut!
      10 Stunden ist schon ne Menge Holz, und da komme ich auch zu etwas "Manöverkritik".
      208x185 Sekunden sind natürlich keine 10 Stunden Belichtungszeit. Die vielen Subs haben dem Bild gutgetan, das Rauschen ist unter Kontrolle, die Details lassen sich
      besser herausarbeiten.
      Was dem Bild bei der hohen Belichtungszeit etwas fehlt, das ist die "Plastizität", vor allem in den Dunkelwolken. Vielleicht lotest du mal aus, wie lang du belichten kannst, ggf mit Nachführkontrolle. Ich glaube, noch mehr Belichtungszeit mit den kurz belichteten Subs bringt nichts mehr.
      Je länger das einzelne Sub, desto "tiefer" wird das Bild.
      Sollte der Himmel aber zu schlecht sein für lange Belichtungszeiten, dann könnte man es ja mal mit Ha versuchen?

      Aber trotzdem, schönes Bild!
      Viele Grüße,
      Micha

      "Uns hilft kein Gott, unsre Welt zu erhalten!"- Karat, Der Blaue Planet, 1982
      Meine Bilder auf AstroBin
    • Hallo Micha,

      danke für den Kommentar und die Manöverkritik (dafür stelle ich die Bilder ja hier ein)!

      Mehr als 3min Einzelbelichtung waren im letzten Sommer ohne Nachführkontrolle nicht möglich.
      Diese hab ich ja jetzt. Nach den ersten Gehversuchen denke ich, dass 5min Einzelbelichtungen bestimmt drin sind, vielleicht auch 6min. Mehr gibt der Himmel hier oft nicht her, wobei ich mich bisher noch nicht einem zenitnäheren Objekt als den Plejaden versucht habe (mit Nachführkontrolle).
      Ein Ha-Filter wäre vielleicht bei unserer Lichtverschmutzung hier hilfreich. Sicher nur bei entsprechenden Objekten, oder? Den müsste ich mir noch anschaffen. Ist ein Ha-Filter denn sinnvoll an einer RGB-Kamera (Vollspektrum)?
      Und was mache ich dann mit den Ha-Aufnahmen? Dem Rotkanal beimischen? Oder als Luminanz verwenden? Leider rauscht meine Kamera (Sony NEX-5Ra) besonders im Rotkanal.
      Ein Kollege von mir verwendet ein CLS-Filter. Das verfälscht jedoch anscheinend die Farben, vor allem Blau.

      Viele Grüße
      Gunther
    • Hallo Gunther,
      wenn du eine Nachführkontrolle hast, dann geht es ja vorwärts.

      Gunther schrieb:

      Sicher nur bei entsprechenden Objekten, oder?
      Ja, das stimmt, Ha ist nur sinnvoll bei Objekten, die auch Licht im Spektrum angeregten Wasserstoffs abgeben. Das sind zumeist die großen Wasserstoff-Gasnebel, wie im Schwan, im Orion oder im Kepheus.

      Gunther schrieb:

      Und was mache ich dann mit den Ha-Aufnahmen?
      Erstmal eins vorweg, ein Ha-Bild ist an sich schon sehr reizvoll, wenn man das mit einer Farbkamera macht allerdings nicht ganz einfach zu bearbeiten.
      Man muss halt bedenken, dass eine Farbkamera suboptimal ist, was die Auflösung betrifft.
      Tja, was macht man damit, ich glaube, dass es da verschiedene Ansätze gibt. Ich selbst habe die Ha-Bilder schon als L genommen, das ging ganz gut.
      Da gibts auch verschiedene Tutorials im Netz, aber meist ist PI da Voraussetzung
      Experte ist da der Karsten, der ist fit in der Beziehung

      PS: Was ist denn das Schaukelpferd? Schmetterlingsnebel, ja. Gamma-Cygni-Nebel oder einfach Sadr-Region wird auch oft gesagt, aber Schaukelpferd? Das hab ich noch nie
      gehört ?( ;)
      Viele Grüße,
      Micha

      "Uns hilft kein Gott, unsre Welt zu erhalten!"- Karat, Der Blaue Planet, 1982
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    • Moin!

      Gunther schrieb:

      das "Schaukelpferd" oder auch "Rocking Horse Cluster" ist der Sternhaufen NGC 6910,
      Den Sternhaufen kenn ich zwar, aber das der einen Eigennamen hat, war mir nicht bekannt, höre ich wie gesagt zum ersten Mal.
      Viele Grüße,
      Micha

      "Uns hilft kein Gott, unsre Welt zu erhalten!"- Karat, Der Blaue Planet, 1982
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    • Hallo Gunther,

      das Bild gefällt mir jetzt sehr gut. Ganz anders als die erste Version. Du nimmst Siril zur Datenreduktion? Das ist glaube ich Freeware? Alternativ ist natürlich PI sehr gut und als kostenpflichtige Software Astropixelprozessor. Zu beiden Lösungen findest Du von meinem Astrofreund Frank Sackenheim Tutorials im Netz.

      Astrophotocologne

      Wie war dein Eindruck im Uterschied der stacking Ergebnisse?

      Das Bild hat schöne runde Sterne und die Farben sind super. Insgesamt hat das Bild noch Potential im Kontrast. Und Sadr ist in Version weniger Dominant. Könntest Du ggf während der Bearbeitung maskieren.

      Du überlegst einen Ha-Filter zu kaufen schreibst Du. Das ist prinzipiell super wenn man mit den Nachteilen leben möchte. Es werden nur 1/4 der Pixel vernünftig belichtet und das ist bei der Entwicklung natürlich zu sehen. Bei der Entwicklung kann man entweder in PixInsight mit SplitCFA nur die einzelenen Pixel verwenden oder aber man nimmt den Superpixel-Modus , was deutlich besser zu sein scheint. Ich habe da noch ein Bild, das auf die Entwicklung wartet. Im Sommer hatte ich ja schon mit der Mono DSLR Ha fotografiert.

      Alternativ zu den Halpha Filtern kann man auch die neuen Duo-Narrowband Filter nehmen, die deutlich besser sind, weil sie auch H-Beta und OIII durchlassen. Bi-Color mit RGB Kameras.

      Die Halpha Bilder kann man als Luminanz nutzen und auch in den Rotkanal einmischen. Ich mache das mit PI mit Continuum Subtraction bzw. dem Emission Line Script. Das hat bei Simeis 57 super geklappt.
      Klaren Himmel wünschen

      Antina und Karsten

      astrokarsten.wix.com/farbe-des-universums/
    • Hallo Karsten,

      erstmal danke fürs Lob!

      Die Tutorials von Frank Sackenheim kenne ich natürlich, die für Pixinsight habe ich alle gesehen. Ich finde sie übrigens auch empfehlenswert für Nicht-Pixinsight-Anwender, da sie einige Grundlagen der Bearbeitung vermitteln und auch hilfreich sind, wenn man andere Tools einsetzt und etwas abstrahieren kann.

      Siril ist Freeware. Es bietet keine vollumfänglichen Bearbeitungsmöglichkeiten wie Pixinsight, beherrscht aber Preprocessing und Stacking, Background Extraction und Color Calibration ganz gut, finde ich. Es erzeugt in der aktuellen Version 32-Bit-FITS. Fast hätte ich es vergessen: Es hat auch einen guten SCNR-Filter.
      Das ist schon alles, wofür ich Siril nutze. Den Rest mache ich in Gimp, wobei ich mich seit einiger Zeit an dieser Vorgehensweise orientiere: forum.astronomie.de/threads/wo…work-und-gimp-2-9.256712/

      Die Siril-Stacks sind im Vergleich mit DSS deutlich schärfer und die Sterne sind kleiner. Der Blaukanal erscheint mir nur etwas minderbemittelt, was sich nach dem Stacken in einem starken Gelbstich äußert. Das war übrigens auch mit Pixinsight so. Könnte auch an meiner Kamera liegen, oder ist das normal? Bei der Background Extraction stört der Gelbstich nicht, da er in der "Histogramm-Darstellung" (ähnlich der ScreenTransferFunction) nicht auftritt. Erst mit der Farbkalibrierung verschwindet der Gelbstich. Den Gelbstich hatte ich mit DSS nicht.

      Mit den Filtern muss ich mal sehen - ordentliche haben ja auch ihren Preis und sind vermutlich teurer als meine Kamera inklusive Astro-Umbau es war. Da werde ich nichts überstürzen. Mit meiner Nachführkontrolle bin ich ja erstmal einen Schritt weiter und nun möchte ich zunächst diese neuen Möglichkeiten ausreizen.
      Ich bin gespannt auf dein Bild, das noch auf die Bearbeitung wartet! Das Bid von Simeis 57 hat mir jedenfalls sehr gut gefallen und es würde wiederum für den Einsatz eines Ha-Filters sprechen. Du hast eine Mono-DSLR?

      Viele Grüße
      Gunther
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